Interview mit dem Kölner Redner Martin Schopps

Wichtige Tipps für Nachwuchsredner

Martin Schopps gehört zu den gefragtesten Rednern in Deutschland. Er wurde 1974 in Köln geboren. Seit über 20 Jahren, genauer gesagt seit dem Jahr 2001, ist er auf den Karnevals-Bühnen aktiv. Aktuell bestreitet er rund 200 Auftritte im Jahr – in und außerhalb der 5. Jahreszeit, denn der Vollblut-Entertainer hat auch Soloprogramme. Er präsentiert intelligente Comedy mit Tiefgang. Regelmäßig
sieht man ihn daher auch in im Fernsehen.

Martin Schopps versteht es mit viel Charme, gutem Humor und seiner Gitarre das Publikum zu begeistern. Seine Texte, die bisweilen auch frech und bissig sein können, schreibt er natürlich selbst. Das Talent hierzu hat er offenbar von seinem Vater geerbt: Martin Schopps ist der Sohn von Fritz Schopps, der als „Et Rumpelstilzche“ ein Urgestein des Kölner Karnevals war (2022 verstorben). Doch auch ohne den großen Namen seines prominenten Vaters hat Martin Schopps einen festen Platz auf den Karnevalsbühnen erobert. Wie er das geschafft hat und welche Empfehlungen er jungen Rednern geben kann, das verrät er er im nachfolgenden Interview mit Horst Hohn.

Sie sind studierter Lehrer. Was war denn das schönste Erlebnis aus Ihrer eigenen Schulzeit?

Ich hatte total viele schöne Erlebnisse. Die Schule ist ja nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Ort, um Freunde zu treffen und die Verabredungen für den Nachmittag zu schmieden. Heutzutage macht man das anders, mit dem Handy, aber in meiner Schulzeit gab es so etwas noch nicht. Also ich habe kein spezielles „schönstes Erlebnis“. Aber ich kann sagen, dass ich mich in der Schule sozialisiert habe… (lacht). Ich habe in meinen ersten Schuljahren mehr Zeit auf dem Flur, als in der Schulklasse verbracht. Und irgendwann hatte ich eine Deutsch-Lehrerin vom alten Schlag – und die hat mich wirklich mit alten Erziehungsmethoden in die Spur gebracht.

Was war Ihr bestes Schulfach?

Meine besten Schulfächer waren die, die ich später auch studiert habe: Das waren Sport und Deutsch. Die beiden Fächer habe ich später auch als Lehrer unterrichtet. Da hatte ich großen Spaß. Die eben erwähnte Lehrerin hat großen Anteil daran gehabt. Es hieß früher immer, meine Texte seien sehr kreativ: Sowohl der Inhalt als auch die Rechtschreibung.
Die Lehrerin hat mich auch immer viel abschreiben lassen, wie zum Beispiel Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Da kam dann irgendwann meine Affinität zum Wort und zur Lyrik. Mir ist immer daran gelegen, etwas mit Sprache in meinen Programmen zu machen.

Welches Schulfach war ihr schlechtestes?

Weniger angenehm für mich waren Physik und Chemie. Da hab´ ich überhaupt keinen Draht zu bekommen. Aber ich hab´ keine Hassfächer gehabt. Religion hing sehr vom Lehrer ab. Wenn es im Ethik-Unterricht um Philosophie gegangen ist, fand ich das total schön und spannend. Und wenn man den falschen Religions-Lehrer hat, der einem die ganze Zeit die Bibel inhalieren möchte, dann macht das dem Kind sicherlich wohl weniger Spaß. Es steht und fällt halt immer mit dem Lehrer oder der Lehrerin, ob man ein Schulfach mag oder nicht.

Wie war eigentlich ihr Weg vom Klassenzimmer auf die Bühne?

Bereits als Student habe ich auf der Bühne gestanden, hatte im Karneval schon ordentlich viele Auftritte. Dann haben meine Frau und ich Nachwuchs bekommen; deshalb kam bei mir ein Sicherheitsdenken: Vielleicht ist es als Künstler etwas unsicher, für eine Familie sorgen zu müssen…
Deshalb hab´ ich mir gedacht: Du hast das studiert, dann geh´ doch in diesen Beruf auch rein. Ich war dann als Lehrer auch einige Jahre tätig, habe dann aber gemerkt, dass die Bühnenauftritte immer mehr wurden. Zwei Jobs nebeneinander gingen aber nicht. Das sind zwei Full-Time-Jobs – ein Job leidet also. Das ging soweit, dass ich mal im Klassenzimmer gesessen habe und mir dachte: Jetzt ist der Moment gekommen, den Schülern mal richtig laut Bescheid zu sagen. Andererseits dachte ich aber an meine Stimme, die ich für den Abend schonen wollte.
Das war der Moment, in dem ich gedacht habe: Das ist nicht 100 Prozent, das geht nicht!
Wenn ich mich auf beide Jobs voll konzentriere, dann habe ich für Frau und Kinder zu wenig Zeit. Und deshalb musste der Bereich weg, der mir weniger Spaß gemacht hat. Das war vor 6 Jahren.

Sie haben noch einen Bruder, der meines Wissens Fotograf ist. Hat dieser auch karnevalistische Gene?

Wir haben das ganz klar geklärt: Einer vor die Kamera, einer hinter die Kamera (lacht). Wir waren zusammen auf der gleichen Grundschule. Damals sind wir in einer Schulsitzung mal als Tünnes und Schäl aufgetreten. Mein Bruder als Schäl, ich als Tünnes. Ich musste für ihn den Text schon praktisch mitsprechen (lacht). Nein, im Ernst: Er hat das schon gut gemacht, sich aber nicht wohl dabei gefühlt. Ich hingegen schon. Er mag die Show auf der Bühne, er sieht diese auch gerne, aber er möchte nicht da vorne stehen.

Gibt es Themen, die sie auf der Bühne nie ansprechen würden?

Ich finde, dass man sich im Karneval auch durchaus positionieren kann. Das ist halt nicht immer gewünscht. Man hat immer Leute im Publikum, die mal so oder so denken. Also: Man kann sich durchaus politisch positionieren, aber man muss nicht immer Applaus an jeder Stelle erwarten.

Welchen Tipps würden Sie einem Nachwuchs-Redner geben?

Man muss seine Rede auf jeden Fall stark anfangen, um als Newcomer Aufmerksamkeit vom Publikum zu bekommen. Ich habe im Moment auch das Gefühl, dass die Typenrede wieder gefragt ist. Dass wirklich speziell etwas für den Karneval gemacht wird. Und nicht irgendein Comedian sich auf die Bühne stellt und dort einen Teil aus seinem Programm vorträgt. Das wurde in Köln schon oft probiert, aber diejenigen sind in der Regel immer gescheitert. Ich glaube auch, dass zumindest das Publikum in Köln es mag, wenn man einen Bezug zu Köln und Karneval hat. Gerne sprachlich oder aber, wenn das so nicht ist, dass man das irgendwie thematisch aufbereitet.
Ich empfehle auch jedem Nachwuchsredner, einen langen Atem zu haben. Es kann wirklich sein, dass man fünf, sechs oder sieben Mal gegen eine Wand rennt. Mit „Mal“ meine ich Übrigens nicht eine Veranstaltung, sondern „Jahre“.
Ich würde auch empfehlen, dass man eine Figur entwickelt. Wie ich schon sagte, habe ich den Eindruck, dass die Typenrede wieder sehr gefragt ist. Wenn man ein Kostüm hat, in eine Rolle schlüpfen kann, dann ist das sicherlich auch einfacher, mit Misserfolg umzugehen. Weil dann bin es nicht „ich“, der nicht ankommt, sondern die Rolle, die man spielt.

Es gibt einige prominente Redner, die im Laufe der Zeit mit gesundheitlichen Problemen, wie Erschöpfungszustände und Depressionen, kämpfen mussten. Mit Durchschnittlich 200 Auftritten im Jahr haben sie auch eine hohe Schlagzahl. Was machen Sie, um sich vor negativen Auswirkungen zu schützen?

Man muss schon mal beim Buchen aufpassen, dass man nicht zu viel macht. Ich hatte in der Vor-Corona-Zeit regelrechte Traum-Sessionen. Bin überall toll empfangen worden, die Leute haben gelacht, haben „Zugabe“ gerufen. Man surft dann in einer Welle der Euphorie und merkt den Stress nicht. Nach der Session geht man in Urlaub und kann sich erholen.
Ich denke, in dem Moment, wo Misserfolge hinzukommen, wird es schwierig. Wenn man mehrere Auftritte an einem Tag macht, nimmt man den letzten mit. Wenn man vier tolle Auftritte hat und beim fünften wird wenig gelacht, bleibt dieser haften. Ich glaube, man kann sich nicht richtig davor schützen. Man muss es irgendwie meiden, mit einem schlechten Gefühl den Tag zu beenden.

Es gibt einige prominente Redner, die im Laufe der Zeit mit gesundheitlichen Problemen, wie Erschöpfungszustände und Depressionen, kämpfen mussten. Mit Durchschnittlich 200 Auftritten im Jahr haben sie auch eine hohe Schlagzahl. Was machen Sie, um sich vor negativen Auswirkungen zu schützen?

Man muss schon mal beim Buchen aufpassen, dass man nicht zu viel macht. Ich hatte in der Vor-Corona-Zeit regelrechte Traum-Sessionen. Bin überall toll empfangen worden, die Leute haben gelacht, haben „Zugabe“ gerufen. Man surft dann in einer Welle der Euphorie und merkt den Stress nicht. Nach der Session geht man in Urlaub und kann sich erholen.
Ich denke, in dem Moment, wo Misserfolge hinzukommen, wird es schwierig. Wenn man mehrere Auftritte an einem Tag macht, nimmt man den letzten mit. Wenn man vier tolle Auftritte hat und beim fünften wird wenig gelacht, bleibt dieser haften. Ich glaube, man kann sich nicht richtig davor schützen. Man muss es irgendwie meiden, mit einem schlechten Gefühl den Tag zu beenden.

Der heutige Sitzungskarneval ist nicht mehr mit dem der 70er oder 80er Jahre vergleichbar. Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie wird sich der Sitzungskarneval Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?

Ich glaube, dass es seit langer Zeit nicht mehr so große Herausforderung gegeben hat, wie im Moment. Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, die Energiekrise – das macht sehr viel mit den Menschen (denkt kurz nach): Ich glaube, dass wir eine Weimarer Republik des Fastelovens erleben werden.

Oh, das hört sich nicht gut an, wenn man an deren Ende denkt. Was genau meinen Sie damit?

Ich glaube, dass wir ganz viele verschiedene Formate bekommen. Das meinte ich damit. Ja, es ist eine komische Wortschöpfung (lacht), aber die ist mir gerade so eingefallen. In der Weimarer Republik gab es viele Splitter-Parteien.
Und ich glaube, dass es ganz viele verschiedene Sitzungsformate geben wird, die dann bespielt werden können. Vielleicht werden die „kleine Sitzung“, die Pfarr-Sitzung und die Flüstersitzung eine Renaissance erleben. Es wird aber auch weiterhin Partyformate geben. Und ich vermute, viele Vereine werden die Anzahl an Sitzungen reduzieren. Es wird sicherlich aus Kostengründen das Programm gekürzt. Statt 14 Programmpunkte gibt es dann vielleicht nur 8 Programmpunkte. Auf der anderen Seite ist dann wieder eine andere Aufmerksamkeit da.
Es gibt zukünftig bestimmt auch wieder mehr „Nur-Redner-Formate“. Der Karneval ist in den letzten Jahren recht kommerziell geworden. Aber wir haben alle aus einem ganz anderen Grund im Karneval angefangen. Vielleicht erinnern wir uns mit den anderen Formaten auch wieder daran.

Verraten Sie uns zum Schluss Ihren persönlichen Lieblingswitz

Ich hab´ keinen. Ich hab´ tatsächlich keinen! Ich bin halt kein klassischer Witze-Erzähler. Ich liebe Situations-Komik und Sprache. Ich könnte mir zum Beispiel stundenlang Torsten Sträter anhören. Der hat nichts mit Karneval zu tun, aber der hat so schöne Beschreibungen von Situationen, da könnte ich vor Lachen auf dem Boden liegen. Das ist etwas, was mich sprachlich mitnimmt.
Jemand, der nur Witze am laufenden Band erzählt, das ist nicht meins. Vielleicht habe ich in meinen Leben schon zu viele Witze gelesen und gehört. Deshalb mag ich es lieber, wenn jemand etwas in einer besonderen Art und Weise vorträgt.

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