Karneval im Kreis Ahrweiler in Corona-Zeiten

Im Verlauf der letzten Monate wurden natürlich auch die karnevalstreibenden Vereine im Kreis Ahrweiler vor die Frage gestellt, wie die neue Session verlaufen soll, wenn es denn überhaupt eine gibt.
Noch bevor die Politiker verbindliche Richtlinien aufstellten reagierten sie, die närrischen Korporationen aus dem Kreis Ahrweiler. Erfreulicherweise haben viele benachbarten Vereine sich zusammengefunden, sich besprochen, Überlegungen angestellt und sind zu einem gemeinsamen Vorgehen gekommen. Den Anfang machten Ende August Vertreter von acht Karnevalsvereinen der sogenannten Rheinschiene zwischen Brohl und Oberwinter um über den möglichen Verlauf der Session 2020/2021 zu beraten und damit auch eine völlig neue Vernetzungsplattform der linksrheinischen Karnevalsvereine zu schaffen. Nach reiflicher Überlegung und intensiven Vorberatungen in den einzelnen Vorständen war schnell klar, dass es aus Verantwortungs- und Haftungsgründen nicht möglich ist, in der anstehenden Session Saalveranstaltungen und Festzüge in den gewohnten Form durchzuführen. Nach Abstimmung mit weiteren Vereinen und Organisationen der Region haben 20 karnevalstreibende Vereine und Gruppierungen eine gemeinsame Presseerklärung herausgegeben, wonach alle Karnevalsveranstaltung in der kommenden Session abgesagt werden. In dieser Session muss die Brauchtumspflege eben anders organisiert werden. Über das Wie werden die Vereine zu Beginn des neuen Jahres bei weiteren Treffen beraten. Dann kann man auch kurzfristig auf eventuell veränderte Pandemiebestimmungen reagieren.

Remagener Sternmarsch

Inzwischen gibt es in der Stadt Remagen eine ganz besondere Aktion. Vor dem Rathaus wurde ein großer Stern aufgestellt und die Remagener Karnevalsvereine zu einem Sternmarsch aufgerufen. An nicht bekanntgegebenen Tagen gehen einige Vereinsmitglieder mit ihrem Logo oder Vereinswappen zu diesem Stern und befestigen es an einem Strahl. Bis Karnevalssonntag sollen alle Vereine dort gewesen sein, sodass der Remagener Karnevalsstern in vollem Glanz erstrahlt. So wird die Bevölkerung die ganze Zeit über daran erinnert, Karneval gibt es noch und wird es wieder wie gewohnt geben. Eine tolle Idee und zum ersten Mal eine Aktion an der alle Remagener Karnevals-vereine gemeinsam teilnehmen.

Absprache der Vereine im Brohltal

Mitte September kamen die Vertreter der Möhnen- und Karnevalsvereine des Brohltals in der Bausenberghalle in Niederzissen zu einem ungewohnten Narrentreff zusammen. Gemeinsam mit dem Ortschef Rolf Hans, dem Brohltal-Bürgermeister Johannes Bell, dem Leiter des Ordnungsamtes Stefan Oligschläger und dem RKK-Regionalbeauftragen Willi Fuhrmann erfolgte ein reger Informationsaustausch zu dem für Karnevalisten sehr traurigen Thema. Nach intensivem Gedanken- und Meinungs-Austausch lautete der übereinstimmende Tenor: „Wir werden in der kommenden Session nichts machen“. Im Klartext, weder Saalveranstaltungen noch Karnevalsumzüge können unter den gegebenen Umständen nicht stattfinden und auch wenn der Sitzungspräsident der KG „Zesse Jecke“, Rainer Schönhofen, von Beruf Gemeindereferent der Pfarreiengemeinschaft noch auf „ein Wunder“ hoffte, konnte man so recht nicht daran glauben. Er regte jedoch an, „intern“ in kleinerem Rahmen karnevalistische Aktivitäten, auch für den Nachwuchs, durchzuführen um das Vereinsleben nicht gänzlich einschlafen zu lassen. Wie die Brauchtumspflege in der kommenden Session anders organisiert werden kann, ist bisher aber noch offen. Wichtig für den Verbandsbürgermeister war besonders die Zusage aller Vereine, die im Brohltal im Wechsel ihre Karnevalszüge veranstalten, dass diese Züge in ihrem gewohnten Rhythmus stattfinden werden. Dies wurde ihm von den betreffenden Vereinen zugesagt. Willi Fuhrmann zerstreute auch die ihm gegenüber geäußerten Bedenken, dass Vereinsleben und besonders der Karneval könne durch diese einschneidende Unterbrechung leiden. Er verwies auf das Jahr 1991, als der Karneval im ganzen Bundesgebiet aus einem ganz anderen Grunde generell abgesagt und im Jahr später umso intensiver gefeiert wurde.

Onlinesitzung in Adenau

Auch die Karnevalsgesellschaften im Bereich Adenau haben sich in einer Telekonferenz besprochen und das Karnevalsgeschehen in der kommenden Session abgesagt, auch die Umzüge. Die Verantwortlichen der KG Rot-Weiss Adenau beschlossen, an einem Samstagabend Ende Januar, wenn normalerweise die große Prunksitzung stattgefunden hätte, eine Online-Sitzung über den örtlichen Fernsehsender, den „Offenen Kanal Adenau“ zu senden. Es wird keine Live-Sitzung sein, sondern ein Zusammenschnitt von Sitzungsbeiträgen der vergangenen Jahre. Diese werden durch zwei karnevalserfahrene junge Damen vorgestellt und kommentiert. Der offene Kanal sendet über Kabel, Youtube und Streaming, also interaktiv. Der genaue Sendetermin dieser Online-Sitzung wird über die lokalen Medien bekannt gegeben. Da der Rosenmontagszug ausfällt, das Wurfmaterial aber schon besorgt wurde, überlegt die Adenauer KG wie sie es „unters Volk“ bringen kann. Gedacht ist daran, es in Schulen und Kindergärten zu verteilen.

Verlängerung für Tollitäten in Ahrweiler

In der Kreisstadt Ahrweiler gibt es seit vielen Jahren ein Zusammenschluss aller Karnevalsvereine im „Festausschuss Ahrweiler Karneval (FAK)“. Deren Mitglieder trafen sich Ende September bei ihrem Vorsitzenden Hardy Mies und berieten zusammen mit dem ersten Stadtbeigeordneten und aktiven Karnevalisten Peter Diewald über das weitere Vorgehen in der kommenden Session. Sehr schnell wurde man sich darüber einig, keine Proklamationen durchzuführen. Alle Tollitäten gehen in die Verlängerung und stehen ihren Vereinen weiterhin zur Verfügung. Schweren Herzens haben die Verantwortlichen sich entschlossen aufgrund der nicht umzusetzenden Hygienevorschriften alle Karnevalszüge und alle Prunksitzungen im Stadtgebiet abzusagen. Auch wenn es für alle Vereine eine schwere Zeit ist, wird man nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern die Vereine haben bereits entsprechende Pläne in der Schublade. Konkret, wenn es die Coronaregeln zulassen, dürfen sich alle Karnevalsfreunde im Rahmen der Möglichkeiten der jeweiligen KG über kleinere Veranstaltungen freuen, die von den Gesellschaften mit eigenen Kräften gestaltet werden. So könnte das Motto heißen: „Fastelovend Anno Dazumal“. Nähere Aussagen dazu wird man aber leider nur sehr kurzfristig machen können, da ja wöchentlich neue oder veränderte Auflagen auf die Vereine zukommen. Man möchte aber auf jeden Fall den Bewohnern der Kreisstadt ein Lebenszeichen senden und zum Durchhalten in dieser auch karnevalistisch schweren Zeit aufrufen. Wichtig ist es für die Vereine wirtschaftlich gesund zu bleiben und in eine neue Session voll durchzustarten. Schwierigkeiten werden von den Verantwortlichen darin gesehen, die Tänzerinnen und Tänzer, besonders die Kindertanzgruppen bei der Stange zu halten, hierzu wäre es wichtig, wenn diese im nächsten Frühjahr zumindest wieder trainieren dürften.

Grafschaft reagiert situationsbezogen

Auch in der Grafschaft bedauert man sehr, dass der Karneval in der kommenden Session nicht wie gewohnt stattfinden kann. Ende September wurden von 7 Möhnenvereinen, 2 Karnevalsgesellschaften und 2 Karnevalsausschüssen Sitzungen, Karnevalspartys und Umzüge in einer gemeinsamen Pressemitteilung weitgehend abgesagt. Den Verantwortlichen war ganz besonders der Schutz der Gäste und der aktiven Karnevalisten besonders wichtig, der selbst bei größtmöglichen Vorsichtsmaßnahmen nur schwer zu gewährleisten wäre. Einigkeit herrschte aber darüber, dass der Karneval zur Kultur dieser Region gehört und für viele Menschen einen wichtigen Ausgleich zu den Sorgen und Nöten des Alltags bietet. Diese Kultur, der Frohsinn und die Motivation, die daraus hervorgeht, lassen sich nicht einfach absagen. Die Vereine hoffen, dass viele Karnevalisten unser Brauchtum unter den geltenden Hygienerichtlinien in der kommenden Karnevalszeit kreativ mit Leben füllen. Die Vereine und Karnevalsauschüsse behalten sich eigene Aktionen und kleinere Veranstaltungen vor, sofern es die Situation zulässt.

Fazit des Regionalbeauftragten

Als Regionalbeauftragter kann ich mit Zufriedenheit feststellen, dass die Ahrkreiskarnevalisten den Ernst der Lage erkannt haben und danach handeln. Erfreulich ist die Tatsache, dass die karnevalstreibenden Vereine in den einzelnen Städten und Regionen sich zusammengesetzt, besprochen und ihre Entscheidungen gemeinsam getroffen haben. Hier zeigt sich, dass nicht nur die Menschen allgemein in diesen schweren Zeiten näher rücken, sondern auch benachbarte und befreundete Karnevalsvereine in der Lage sind, nicht nur fröhlich zu feiern, sondern auch in Notlagen zusammenzustehen und sich gegenseitig zu helfen. Das ist eine erfreuliche Erkenntnis in Coronazeiten. von Willi Fuhrmann

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